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Quer durch die Worte kommen Reste von Licht. (Franz Kafka)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Am Denkmal des bekannten Soldaten

 

Und doch beschreibt man den Krieg

am besten mit der Stille

das Morgengrauen

mit dem Mittagslicht

am 14. oder 20. Juli

den Verwundeten als Verwunderten

 

frühere Friedensgedichte

waren Beschreibungen des Gemetzels

beschrieben das Kriegsgeschrei

Röcheln der Sterbenden

 

und doch sollte man das Blut

mit dem Wein beschreiben

den strategisch wichtigen Hügel

mit dem blumensanften Tal

die Todeskälte im jungen Sommer

den Legendären mit dem Gemeinen

 

die anschaulichste

Beschreibung des Helden

ist die Beschreibung des Feiglings

der ruhig aus dem Hinterhalt

den Helden niederknallt

die Beschreibung der Mutter Marceau

seine letzte Botschaft in den Händen

die knappe Notiz Generationen später

im „Petit Larousse“

 

langweilige

lichtflimmernde Engelsgeduld

bei der Beschreibung des friedlichen Waldhofs

dient der Beschreibung

des Höchsten durch das Niedrigste

das Sehen der ascheweißen Wolke

über dem nahen Waffendepot

 

Anwesenheit

eines Denkmals

ist Friedensgedicht genug

heute

    

                            

geschrieben in Erinnerung an den polnischen Lyriker Tadeus Rózewicz

Aus: Die Notwendigkeit, bibbernd zusammenzurücken, 1984