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Quer durch die Worte kommen Reste von Licht. (Franz Kafka)
     
   
Der löchrige Himmel  
 

 


Ich wollt, ich wär der liebe Gott

44 Gebrauchtgedichte nebst einem Bericht

 

J.G. Bläschke Verlag, Darmstadt (1976)

84 Seiten

ISBN 3-87561-553-0

 

 

Exemplare der Restauflage erhältlich beim Autor


Der fromme Wunsch des Autors, der liebe Gott zu sein, darf nicht als Absage an die schnöde Welt verstanden werden. Ohne den Anspruch auf universale Kompetenz zu erheben, drückt er in dieser Titelzeile  seine literarische Position aus: die ihm bekannte Welt zwar heiter-distanziert, doch auch kritisch-hellhörig zu beobachten.

44 Texte zur bundesdeutschen Wirklichkeit bemühen sich um engagierte Aussagen, ob sie nun von der Bundeswehr oder der Bundesliga handeln, vom sozialen Christentum oder dem Alkoholismus, vom Berufsverbot oder von der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Einer alten poetischen Forderung gemäß wollen diese Texte sowohl nützlich als auch amüsant sein. "Gebrauchtgedichte" legt Feldhoff vor. Damit will er kein neues literarisches Etikett einführen, sondern akzentuieren, daß er seine Arbeiten überwiegend als Fundsachen versteht. Der Leser wird viele private oder öffentliche Sätze zitiert finden, die ihm bekannt vorkommen und die er hier in neuem Zusammenhang geordnet und pointiert sieht. Ein Gebrauchtgedicht regt zur Wiederverwendung an, zum Weitersagen, ja, gar zum aktualisierenden Nachmachen.

Feldhoff schreibt Texte, die man wirklich gebrauchen kann und nicht nur als flüchtige Gags, in sich selbst ruhende Reflexionen oder Innerlichkeitsrätsel konsumiert. In einer Zeit, in der bürgerliche Tugenden wie Fleiß, Anpassung, Gehorsam, Leistungswille etc. wieder vor Eigenschaften wie Kreativität, Selbständigkeit, Kritikfähigkeit rangieren, können solche Gedichte dazu beitragen, den Widerspruch aufzulösen, den der Autor in seinem Schlußgedicht so formuliert hat:

Allmählich

gewinnen wir

die Kontrolle

über uns selbst

und verlieren

die Beherrschung.

 

 

Was Feldhoff hier als Erstling vorlegt, ist keine gewohnt ehrgeizige Angelegenheit, sondern fragt zunächst nach dem Leser, dem er ebenso amüsant wie anregend kommt.

Manfred Bosch, päd. extra

 

Ich finde es ausgesprochen bewundernswert, wenn man von Gedichten sagen kann, sie könnten ohne weiteres in der Gewerkschaftszeitung stehen; diese hier können es.

Alfred Miersch, Ulcus Molle Info

 

Eine absolut eigenständige Collage aus lyrischen und politischen Phrasen, ein Trödelladen in Gedichtform, der in der Tat eine Menge gegenwärtiger Zustände in unserer "freiheitlich-demokratischen Grundordnung" entblößt - Gebrauchtgedichte zur Weiterverwendung bestens geeignet.

Helmut Rösner, Bücheranzeiger für öffentliche Büchereien